Delay psychologie

Belohnungsaufschub auch Gratifikationsaufschub ist ein Begriff aus der Psychologie. Er bedeutet, dass eine Belohnung für ein Verhalten nicht sofort, sondern verzögert erfolgt. Diese kann allerdings entweder erst durch Warten oder durch vorherige Anstrengung erlangt werden. Ein bekanntes Experiment zu Impulskontrolle und Belohnungsaufschub wurde durch Walter Mischel durchgeführt.

In den Jahren bis führte er mit etwa vier Jahre alten Kindern aus der Vorschule des Stanford Campus Experimente zum Belohnungsaufschub durch. In Einzelsitzungen wurde den Kindern ein begehrtes Objekt vor Augen geführt, beispielsweise ein Marshmallow in Varianten des Experiments wurden u. Kekse, Salzgebäck oder Pokerchips aus Plastik verwendet.

Der Versuchsleiter teilte dem jeweiligen Kind mit, dass er für einige Zeit den Raum verlassen würde, und verdeutlichte ihm, dass es ihn durch Betätigen einer Glocke zurückrufen konnte und dann einen Marshmallow erhalten würde. Würde es aber warten, bis der Versuchsleiter von selbst zurückkehrte, erhielte es zwei Marshmallows.

Hatte das Kind die Glocke nicht betätigt, kehrte der Versuchsleiter gewöhnlich nach 15 Minuten zurück. Das Experiment ist als Marshmallow-Test bekannt geworden, vor allem durch Daniel Golemans Buch EQ. Emotionale Intelligenz. In Nachbeobachtungen, die Mischel in den Jahren — durchführte, zeigte sich der im ursprünglichen Experiment gezeigte Belohnungsaufschub als ein verlässlicher Prädiktor für späteren schulischen Erfolg und eine Reihe von Persönlichkeitseigenschaften.

Je länger die Kinder im ursprünglichen Experiment gewartet hatten, desto kompetenter wurden sie als Heranwachsende in schulischen und sozialen Bereichen beschrieben, und desto besser konnten sie mit Frustration und Stress umgehen sowie Versuchungen widerstehen; darüber hinaus zeigten sie auch eine tendenziell höhere schulische Leistungsfähigkeit. Sie schnitten in Prüfungen besser ab, gestalteten ihre Beziehungen harmonischer und hatten seltener Übergewicht.

Nachdem diese Experimente und Nachuntersuchungen bereits über Jahrzehnte eine weltweite Resonanz in Forschung und Medien gehabt hatten, fasste Mischel seine Ergebnisse deutsch in einem allgemeinverständlichen Buch zusammen. Eine Replikationsstudie aus mit einem ähnlichen Aufbau, aber von ihrem Bildungshintergrund deutlich diverseren Stichprobe aus Kindern, fand ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Belohnungsaufschub mit viereinhalb Jahren und der kognitiven Leistung im Alter von 15 Jahren.

Vorhersagefähig war vor allem, ob die Kinder ursprünglich mindestens 20 Sekunden gewartet hatten. In einer Studie von verglichen die Psychologin Yuko Munakata und Koautoren an der University of Colorado in Boulder die Reaktionen von japanischen und amerikanischen Kindern. Es zeigte sich, dass japanische Jungen und Mädchen das Warten beim Marshmallow-Test sehr viel länger aushielten als ihre amerikanischen Altersgenossen.

Munakata erklärt das Ergebnis damit, dass japanische Kinder es gewohnt sind, mit dem Beginn des Essens zu warten, bis alle am Tisch Platz genommen haben. Schlechter schnitten die japanischen Kindern jedoch beim Empfang von Geschenken ab. In Japan dürfen Kinder ein Geschenk sofort auspacken, wenn sie es erhalten haben. In Amerika ist es dagegen üblich zu warten, bis alle Kinder ihre Geschenke bekommen haben.

Positive Ergebnisse gab es insbesondere bei: [12] [13] [14] [15]. Auch bei den Tintenfischen zeigte sich, dass das Testergebnis mit besseren kognitiven Leistungen korrelierte. Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub wurde beim Menschen durch Vergleich von Ausfällen nach Gehirnverletzungen z. Schlaganfall und durch bildgebende Verfahren bei Gesunden untersucht.

In der Entscheidungspsychologie führt Verzögerung zu kognitiver Dissonanz, wenn zwischen Alternativen abgewogen wird und Unsicherheit besteht.

Beteiligt ist demnach ein Netzwerk verschiedener Gehirnregionen, bei dem jedoch der mediale orbitofrontale Cortex mOFC eine zentrale Rolle spielt. Schäden in diesem Bereich führen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, dass eine sofortige, kleine Belohnung gewählt wird. Es wird vermutet, dass dieser Gehirnbereich an der Folgenabschätzung oder zukunftsbezogenem Vorstellungsvermögen beteiligt ist.

Belohnungsaufschub wird teilweise synonym zu verwandten Begriffen wie Impulskontrolle , Selbstdisziplin und Selbstkontrolle verwendet. Normdaten Sachbegriff : GND : lobid , OGND , AKS LCCN : sh Kategorie : Differentielle und Persönlichkeitspsychologie. Navigationsmenü Meine Werkzeuge Nicht angemeldet Diskussionsseite Beiträge Benutzerkonto erstellen Anmelden.

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