Kritik der psychologie

RSS Feed "Wie einige von euch ja sicher wissen, habe ich eine Doktorarbeit im Bereich der Positiven Psychologie geschrieben. Und diese Erkenntnisse möchte ich gerne mit euch teilen, weil sie mich sehr positiv und zuversichtlich stimmen und sie zeigen, dass glücklich sein möglich ist — und gar nicht mal so schwer. Das Angebot für Coaching und Persönlichkeitsentwicklung auf dem deutschen Markt ist mittlerweile unüberschaubar.

Die Coaches stellen ihren Klientinnen und Klienten das "beste und schönste Leben" in Aussicht oder eine "optimierte Work-Life-Balance" Gegenmodell zur klinischen Psychologie Grundlage für viele der beworbenen Trainings ist die Positive Psychologie. Von den er-Jahren an entstand diese Denkschule in den USA und ist eng mit dem Namen Martin Seligman verknüpft. Der Politikwissenschaftler Georg Steinmeyer fasst die Idee dahinter so zusammen: "Die Positive Psychologie beschreibt sich selbst als Wissenschaft vom gelingenden Leben.

Und in gewisser Weise könnte man sagen, es ist das Gegenteil der klassischen Psychologie.

Psychologie in der Kritik analysiert die Reproduzierbarkeitskrise und methodische Schwächen. Der Fokus liegt auf der Objektivität und der Objektivierbarkeit des Erlebens.

Was also — fragt die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie — ermöglicht es uns als Menschen, unser volles Potenzial zu entfalten? Antwort: Es ist komplizierter, als die einfachen Grundannahmen versprechen. Das zeigen zum Beispiel die Studien von Gabriele Oettingen von der Universität Hamburg.

Aber wenn es darum geht, diese Möglichkeiten umzusetzen, dann ist reines positives Zukunftsdenken ein Problem. Diese mentale Kontrastierung, also den Abgleich von Wunsch und Wirklichkeit, will Oettingen auch mit der von ihr entwickelten App "Woop" etablieren. Der Boom des positiven Denkens zieht allerdings auch Kritik auf sich: Nicht nur seien die angewendeten Methoden oft unsauber.

Zudem vereinfachten die zugrunde liegenden Konzepte von Optimismus und Pessimismus das komplexe Zusammenspiel zwischen der menschlichen Persönlichkeit und ihrem sozialen Umfeld. Gut beobachten lässt sich diese Kritik am sogenannten "Dankbarkeitsjournal", das unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie und auch Glücksdetektivin Katharina Tempel empfehlen.

Diese Übung hilft dir mit der Zeit, deinen Fokus mehr auf das Positive zu richten. Bei genauerer Betrachtung lösten sich diese Effekte jedoch in Luft auf. Rechneten die Forscherinnen und Forscher methodisch mangelhafte Untersuchungen heraus, blieben kleine Versuchsgruppen mit nur minimalen Verbesserungen übrig. Positive Auswirkungen auf an Depressionen erkrankte Menschen konnten überhaupt nicht mehr festgestellt werden.

Eine veröffentlichte Studie zeigt sogar: Zu oft angewendet, kann das "Dankbarkeitsjournal" zu mehr Unzufriedenheit führen. Dabei sei es zunächst einmal nicht falsch, sich für die positiven Dinge dankbar zu zeigen, sagt auch Georg Steinmeyer. Das ist dann immer schwer zu sagen, bis wo ist das ein sinnvolles Konzept? Und ab wo wird es ideologisch und auch instrumentalisierbar?

Um zum Beispiel die soziale Frage nicht mehr zu stellen. Leistung und Effizienz die eigentlichen Ziele? Dem stimmt auch Georg Steinmeyer zu: "Viele positive Psychologen betonen eben auch immer wieder, dass diese positiven Emotionen eben auch leistungsfähiger machen, effizienter machen. Die Nachfrage nach deren Versprechen nach Sinn, Glück und Erfolg ist allerdings noch immer ungebrochen.

Da ist dann natürlich dieses Versprechen verlockend, dass man aus sich selbst heraus, ohne auf die Solidarität von anderen angewiesen zu sein, sein Leben managen kann", sagt Georg Steinmeyer. Mehr zum Thema.