Menschen die in der vergangenheit leben psychologie

Kathrin wurde in einer persönlichen Beziehung zutiefst verletzt. Anfangs war sie natürlich sehr wütend, wie sie in ihrer Email schreibt. Aber nachdem einige Zeit in Land gegangen war, war die Wut nicht mehr ganz so heftig. Trotzdem konnte sie die ganze Sache einfach nicht vergessen. Sie konnte die Erinnerung an die Verletzung nicht einfach so aus ihrem Gedächtnis löschen. Auch wenn sie sich das gewünscht hätte.

Kathrin konnte nicht loslassen. Ein Problem, das viele von euch vielleicht auch kennen. Wenn nicht von sich selbst, dann doch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Loslassen: warum das so wichtig ist Loslassen , das klingt immer so leicht. Aber das ist es nicht. Nicht umsonst haben so viele Menschen ihre Schwierigkeiten damit.

Wenn du etwas nicht loslassen kannst, dann ist das manchmal schlimmer als die eigentliche Verletzung. Weil die Verletzung vielleicht nur ein paar Momente schmerzt. Die Erinnerung daran manchmal jedoch ein ganzes Leben. Nicht loslassen können , das ist in meinen Augen wie die oben beschriebene schleichende Vergiftung. Denn wenn du die Vergangenheit immer vor dir herträgst, dann hat das Folgen: Es kann z.

Es kann passieren, dass du eine allgemein eher negative Sicht auf das Leben bekommst. Es kann auch dazu führen, dass du misstrauischer und feindseliger gegenüber anderen Menschen wirst. Das alles kann passieren, wenn du das Vergangene nicht loslassen kannst. Und das ist definitiv kein Rezept, um glücklich zu sein. Und wir finden es daher auch ganz normal, wütend, traurig oder nachtragend zu sein.

Auf der anderen Seite wissen wir aber auch, dass uns das selbst nicht guttut. Dass wir diese Verletzung besser loslassen sollten. Aber es geht eben irgendwie nicht. Was kannst du also tun? Betrachten wir die Sache jetzt mal ganz nüchtern. Die Verletzung kannst du nicht mehr rückgängig machen. Was passiert ist, ist passiert. Das bedeutet aber auch: Der Ball liegt jetzt plötzlich wieder bei dir.

Du bist jetzt in der Situation, die Dinge so akzeptieren zu müssen, wie sie eben sind. Und dabei bist du auf dich allein gestellt. Du ganz alleine musst jetzt damit klarkommen. Leichter gesagt als getan. Dinge akzeptieren zu können, wie sie sind, dafür braucht es seine Zeit. Oft gibt es aber diesen Moment, in dem du merkst: So geht das nicht weiter. Vielleicht erkennst du: Ich lebe gerade total in der Vergangenheit.

Und ich will nicht mehr zulassen, dass die schlechten Erinnerungen mein Leben und meine Zukunft so beeinflussen. Ich will für meine Zukunft etwas Besseres, etwas Neues. Diese Einsicht, die braucht es erstmal. Solange dieser Wunsch nach Veränderung nicht da ist, fällt das Loslassen wirklich sehr, sehr schwer. Denn die Vergangenheit kann wie ein Labyrinth sein.

Es lässt sich emotional manchmal nur sehr schwer herausfinden.

Menschen, die in der Vergangenheit leben, fliehen oft vor Gegenwartsschmerz. Nostalgie oder Trauma lassen sie an vergangenen Zeiten haften – ein psychologischer Abwehrmechanismus gegen Unsicherheit oder Verlustangst.

Eine Methode, mit der du loslassen kannst Wäre es nicht super, wenn du aus diesem Labyrinth belastender Gefühle wieder rausfinden könntest? Wenn du die Verletzung loslassen könntest? Wenn du nicht mehr jeden Tag daran denken müsstest? Vor kurzem habe ich genau dafür eine ganz tolle Methode kennengelernt.

Eine Methode, die du unbedingt mal ausprobieren solltest, wenn du selbst ein solches Problem hast. Vorab: Diese Methode ist natürlich kein Wundermittel. Die Verletzung als solche kannst du damit nicht rückgängig machen. Aber du kannst lernen, mit den schmerzlichen Erlebnissen besser zurechtzukommen.

Also auf eine für dich konstruktive Art und Weise damit umzugehen, die dir selbst nicht schadet. Also Ereignisse, bei denen du extremem Stress ausgesetzt warst. Für solche Fälle solltest du dir zuvor therapeutische Betreuung suchen und die folgende Methode nur in Absprache anwenden. Loslassen durch Selbstdistanzierung Bei dieser Methode geht es darum, dich psychologisch zu distanzieren und eine Neubewertung der Situation zu erreichen.

Wie funktioniert das genau? Bleiben wir mal beim Beispiel von Kathrin. Kathrin kann den Moment nicht vergessen, als ihr diese tiefe Verletzung zugefügt wurde. Als ihr Partner sie verlassen hat. Diese Situation spielt sich immer wieder wie ein Film in ihrem Kopf ab. Wenn sie daran denkt, wird sie wütend. Sie fühlt sich nicht verstanden.

Sie fühlt sich ungerecht behandelt. Sie ist verletzt. Doch diese schmerzliche Erfahrung auf diese Art und Weise durchzuarbeiten führt dazu, dass der emotionale Schmerz jedes Mal aufs Neue reaktiviert wird. Und Kathrin sich danach noch schlechter und deprimierter fühlt als vorher. Doch wenn uns etwas wirklich beschäftigt und bewegt, dann denken wir ja ganz automatisch daran.

Denn wir können unsere Gedanken nur schwer kontrollieren. Und wir können uns selbst auch nicht verbieten, daran zu denken. Was kann man also tun? Hier können wir uns einen bestimmten psychologischen Mechanismus zunutze machen. Und zwar können wir Erinnerungen besser verarbeiten und leichter loslassen, wenn wir es schaffen, sie aus einer distanzierten Perspektive zu betrachten.

Wenn du dich selbst aus einer selbstdistanzierten Perspektive betrachtest, wird deine Reaktion auf deine Erinnerung viel weniger emotional. Die negativen Emotionen, die du damals in der Situation empfunden hast, werden nicht wieder so abgerufen, als würdest du die Situation noch mal erleben. Die selbstdistanzierte Perspektive hilft dir also dabei, die Situation auf eine weniger emotionale Weise zu sehen.

Sie führt zu einer Abkühlung deiner Emotionen. Und das erlaubt dir, die Situation neu zu bewerten. So zu bewerten, dass du leichter einen Schlussstrich ziehen kannst. So kann dir die Methode der Selbstdistanzierung dabei helfen, loszulassen. Was solltest du also konkret tun, wenn du besser loslassen möchtest? Wie wendest du die Methode der Selbstdistanzierung konkret an?

Hier kannst du dir die Methode als Audio-Anleitung anhören. Schritt 1: Wähle die Situation Entscheide dich für eine Situation, die du gerne loslassen möchtest. Zum Beispiel: die Trennung von Sebastian. Oder: als mein Chef mich vor der ganzen Abteilung kritisiert hat. Wichtig ist, dass du dich jetzt noch nicht in die Situation hineinversetzt, also nicht rekapitulierst, was jemand in der Situation gesagt hat oder wie du dich gefühlt hast.

Der Film geht erst gleich los … Hast du dich für eine Situation entschieden? Du hast die Situation jetzt wahrscheinlich vor deinem inneren Auge. Wenn nicht, versetz dich bitte ganz kurz zurück an den Anfang der Situation. Wo warst du? Welche anderen Menschen waren dort? Der Film in deinem Kopf bleibt immer noch auf Pause.

Schritt 2: Wechsle deine mentale Perspektive Jetzt stell dir Folgendes vor: An dem Ort an dem du damals warst, befindet sich auch eine Fliege. Sie sitzt an einer Wand. Oder an einem anderen Ort ganz in deiner Nähe. Wo diese Fliege sitzt, das bestimmst du. Hast du in deinem Kopf den Ort gefunden, wo diese Fliege sitzt …? Jetzt stell dir vor, wie du aus der Perspektive dieser Fliege auf dich selbst schaust.

Der Film in deinem Kopf ist dabei immer noch auf Pause.