Psychologie mutter-sohn-beziehung

Von Ligia Dana Tudorica. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter unterscheidet sich sehr von der zwischen Mutter und Sohn. Kaum eine Beziehung kann intensiver und emotionaler werden als die zwischen Müttern und ihren Töchtern. Ob Töchter ein Leben leben, das sich stark von dem ihrer Mütter unterscheidet.

Oder ob sie den Spuren ihrer Mütter folgen. Was die Mutter-Tochter-Beziehung einzigartig macht. Und warum es Töchter mit ihren Müttern schwerer haben als Söhne, verrät Autorin Silia Wiebe, Tochter einer Mutter und Mutter eines Sohnes, im Gespräch mit BILD der FRAU. Liebe Frau Wiebe, Sie sind nicht nur eine Tochter, sondern auch eine Schwester.

Welche Erfahrungen mit Ihrer Mutter sind bei Ihnen und Ihren Schwestern gleich? Silia Wiebe: Nicht viele. Meine Schwestern — ich habe eine ältere und eine jüngere — haben meine Mutter in der Kindheit anders wahrgenommen als ich, vermutlich, weil sie sich relativ ähnlich sind. Sie haben bis heute alle Drei ähnliche Bedürfnisse.

Ich ticke völlig anders, schon immer. Das macht es schwerer. Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu. Ja, klar. Das Problem zwischen Müttern und Töchtern ist oft ihre unterschiedliche Sprache der Liebe. Die einen zeigen ihre Liebe durch Geschenke, die anderen durch warme Worte, Umarmungen, Hilfsbereitschaft oder gemeinsame Erlebnisse. Welche Sprache der Liebe spricht Ihre Mutter und welche sprechen Sie?

Meine Mutter ist eine begnadete Hobbygoldschmiedin und schmiedet für ihre drei Töchter zu besonderen Anlässen individuell gefertigte wunderschöne und kostbare Ringe. Darüber freu ich mich. Aber noch wichtiger ist für mich in Beziehungen Interesse am Leben des anderen in Form von Gesprächen und gemeinsamer Zeit. Als Kind hätte ich mir gewünscht, dass meine Mutter meine schwachen Gefühle, also meine Ängste, versteht und begleitet.

Sie ist aber eher der bodenständige Typ. Sie kann Waschmaschinen und Dächer reparieren. Mein Sohn bewundert seine Oma dafür sehr. Er sagt: Andere Omas liegen im Liegestuhl, meine Oma baut jeden Tag um. Doch, ich bewundere sie für ihre Kraft und Kreativität. Aber als Kind waren mir Terrassen und Stuhlfarben total egal. Was ist DAS Besondere an einer Mutter-Tochter-Beziehung?

Keine andere Beziehung beginnt mit der ersten Sekunde unseres Lebens und dauert an bis zum Schluss. Ob ihre Liebessprache bei uns ankommt oder nicht, sie prägt uns lebenslang. Selbst wenn Töchter den Kontakt abbrechen, beschäftigt sie die Mutterbeziehung weiter. Es gibt einfach kein Entkommen. Deshalb ist es wichtig, sich innerlich auszusöhnen, sollte es konfliktreich sein.

Aber für den Seelenfrieden ist wichtig, dass man die Mutter so sein lässt wie sie nun mal ist und sich notfalls rauszieht. Welche Gründe haben Töchter, die eigene Mutter aus dem Leben zu entfernen? Narzisstische Mütter, die sich immer wieder übergriffig und verletzend verhalten, können das Leben enorm erschweren.

Da kann Loslassen das einzige Mittel sein, um wieder Luft zu bekommen und vor allem Ruhe. Oft knallt es auch, wenn Enkel im Spiel sind. Was man für sich selbst noch gerade so ertragen kann, will man den eigenen Kindern nicht zumuten. Manche Töchter von narzisstischen Müttern kappen den Kontakt, weil sie nicht wollen, dass ihre Kinder dasselbe erleiden müssen wie sie selbst.

Das ist individuell verschieden. Aber meine Erfahrung mit Müttern, die ich als Journalistin zum Kontaktabbruch befragte, ist: Sie können ihren Anteil an den Konflikten nicht sehen. Sie spüren nur: Ihre Sprache der Liebe kommt nicht an — und darüber sind sie traurig, ratlos, enttäuscht oder wütend.

Sie lieben ja meistens auf ihre Art, nur gibt es eben eine Störung zwischen Sender und Empfänger. Zum Beispiel auf die Töchter zugehen und sie fragen: Was belastet oder schmerzt dich an meinem Verhalten? Hast Du Gesprächsbedarf? Hilfreich ist auch, wenn sie ihre eigenen Gefühle ausdrücken. Dabei meine ich eher ihre Liebe zum Kind als Selbstmitleid.

Und über persönliche Unsicherheiten zu sprechen baut auch Brücken. Das fällt der älteren Generation übrigens schwerer als jüngeren Frauen. Wenn Liebe und Vertrauen in unserer Kindheit zwischen uns und unseren Eltern — der Vater ist natürlich auch wichtig — hin und her geflossen ist, fallen uns als Erwachsenen sämtliche Formen von Bindung leichter. Also zu anderen Frauen, zu Kollegen, zum Partner.

Wer eine unerfüllte Mutterbindung hatte, sucht sich später oft unbewusst Menschen aus, die der Mutter ähneln. Trotz der leidvollen Erfahrung. Dahinter steckt der Wunsch, dass es dieses Mal gut geht, dass mir der Mensch, von dem ich mir jetzt ersatzweise Liebe wünsche, all das gibt, was ich als Kind nicht bekommen habe. Wenn man bedürftig ist, also unbedingt etwas vom anderen haben will, macht man sich abhängig.

Und das in der Kindheit entstandene Leck an Liebe kann man nicht nachträglich durch andere Menschen füllen. Nur durch Verständnis und liebevolles Verhalten sich selbst gegenüber. Also mit Selbstliebe die Wunden heilen, die in einer toxischen Mutterbindung entstanden sind? Ich würde erstmal die Spannung rausnehmen und auf Abstand gehen. Um ein Bild zu gebrauchen: Rausgehen aus der dramatischen Inszenierung oben auf der Bühne und sich in die letzte Reihe im Zuschauerraum setzen.

Von dort aus versuchen, die Muster aus der Mutter-Beziehung zu erkennen. Wenn man kapiert, dass die Mutter schon immer diese oder jene Schwächen hatte, kapiert man auch: Sie wird vermutlich so bleiben. Das tut weh. Der Vorteil ist: Man muss sich nicht mehr anstrengen, um es ihr endlich recht zu machen.

Sie ist wie sie ist. Dafür gibt es Gründe, vielleicht ihre eigene schwierige Kindheit. Jedenfalls kann man die Scheinwerfer nun endlich mal auf sich selbst richten. Man hört auf, über die Mutter nachzugrübeln oder sich ihren Erwartungen anzupassen und konzentriert sich ganz auf sich: Was tut mir gut? Und wer? Wie kann ich meine Beziehung zu meinen Kindern liebevoll und entspannt gestalten und mit ihnen im Gespräch bleiben?

Statt über die Mutter zu jammern, das eigene Muttersein reflektieren. Eine Jährige aus meinem Mütterbuch erzählt von ihrem ersten Treffen mit der leiblichen Mutter, von der sie als Baby zur Adoption freigegeben wurde. Nur ihren Zwillingsbruder hatte sie behalten. Karin hätte jeden Grund, wütend und verurteilend gegenüber der mittlerweile Jährigen zu sein.

Stattdessen hört sie sich deren Gründe an und sagt: Wer bin ich, dass ich über meine Mutter urteile? Das gelingt nicht jedem. Statt Groll zu fühlen, verbringt Karin noch ein paar fröhliche Jahre mit der Mutter. Heben wir die Mutter zu sehr auf ein Podest und idealisieren sie? Noch bis ins Jahrhundert hinein wuchsen Kinder mit mehr Bezugsmenschen auf als den Eltern, oft mit mehreren Generationen unter einem Dach.

Bedienen Mütter zu viele Rollen und Erwartungen? Ganz sicher. Vor allem Alleinerziehende müssen alles auf einmal sein: Die Supermama, die den Kindern die heile Familie ersetzt und die erfolgreiche Geldverdienerin. Jede Mutter kann an ihrer eigenen Rolle, die sie erfüllen will, schrauben und entscheiden: Schluss mit Superkraft und Supermama, gut ist gut genug.

Wie würde sich das auf die Mutter-Tochter-Beziehung auswirken? Sie würde sicher entlastet. Ein gutes Netzwerk tut gut. Um davon zu profizieren, braucht Frau aber zwei Eigenschaften: Sie sollte um Hilfe bitten können und sich auch mal unperfekt zeigen.

Psychologische Studien zeigen: Die Qualität dieser Beziehung beeinflusst spätere Partnerschaften, Stressbewältigung und sogar berufliche Entscheidungen des erwachsenen Mannes.

Wenn man erst das Haus auf Hochglanz poliert, weil die beste Freundin zum Babysitten kommt, hat man noch mehr Stress. Sie ist kein bisschen weniger innig und kann unkomplizierter sein. Weil sich Mütter mit ihren Söhnen nicht so stark identifizieren und vergleichen. Glauben Sie, Sie haben es leichter, weil Sie Mutter eines Sohnes sind?

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Eine innige Mutter-Tochter-Beziehung ist ja hinzukriegen, wenn man sich selbst reflektiert. Und dann ist es wunderschön, allein die Nähe und die Freundschaft, die sich entwickelt. Aber ich könnte nicht zufriedener sein mit meinem Sohn und unserer Beziehung. Ich finde es super, dass er so viele neue Themen in mein Leben bringt.